„Dritte Welt“
- Begriffskritik in Auszügen
- Auszug aus einem online-Forum zum Begriff "Dritte Welt":
"Das ist aus der Sicht der Europäer. Man sollte den Begriff
sehr kritisch sehen. Europa ist nicht der Nabel der Welt. Es gibt keinen
Grund, von Europa aus die Welt durchzunummerieren."- Auszug aus
einer Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung, von
Uwe Andersen:
Der Begriff "Entwicklungsländer" (developing countries)
ist sprachlich in gewisser Weise problematisch. (...)
Die Bezeichnung "Dritte Welt" wird meist historisch auf die
Einteilung in Erste Welt (westliche Industrieländer) und Zweite
Welt (östliche Industrieländer) bezogen, sodass die "Entwicklungsländer"
dann als jüngste Ländergruppierung als "Dritte Welt"
erscheinen. Der Begriff "Dritte Welt" wurde auch verwendet,
um die Einheit dieser Ländergruppe zu betonen. Andere Fachleute
haben die ärmste Teilgruppe, die "am wenigsten entwickelten
Länder", noch als "Vierte Welt" ausgegliedert. Mit
dem Ende des Ostblocks und der Pluralisierung der Entwicklungsländer
wird der Benennung zunehmend fragwürdig.
Aber auch die mögliche sprachliche Alternative, der "Süden",
ist problematisch. Nicht nur die geografische Zuordnung ist ungenau,
da sich beispielsweise die wohlhabenden Staaten Australien und Neuseeland
auf der Südhalbkugel befinden. Vielmehr legt der Begriff "Süden"
eine Einheitlichkeit von Interessen und Handlungen nahe, die faktisch
nicht oder nicht mehr vorhanden ist.
Die diskutierten Begriffe werden trotz wachsender Kritik überwiegend
weiter verwendet - wie auch hier -, weil sie in den Sprachgebrauch eingegangen
sind und bessere Alternativen fehlen. Man sollte sich aber der mit ihnen
verbundenen Problematik bewusst sein.
(...)
Allgemein gilt es, die genannten Begriffe mit Vorsicht zu verwenden,
weil dabei unbedacht Wertungen einfließen, die dem eigenen Kulturkreis
entstammen und als Beurteilungsmaßstab zu Pauschalurteilen führen
können.
(...)- Timo Kiesel, in MA dissertation for the MA Postcolonial Studies
Goldsmith's College, University of London , September 2006: www.whitecharity.de/white%20charity.pdf
"I am not happy with the terms 'Third World' and 'First World',
as they include hierarchies on the one hand and suggest homogeneous
groups of countries. Due to the lack of alternatives, however, I use
the terms in quotation to demonstrate that I question their concepts."
- Goudge, Paulette 2003: “ The Power of Whiteness: Racism in
Third World Development and Aid.” Lawrence & Wishart. London.
Übersetzt von Carolin Philipp in "Diskurse in der Entwicklungszusammenarbeit
unter Berücksichtigung von Postkolonialer Theorie", Universität
Potsdam, 2006: www.whitecharity.de/weisssein.pdf
„Vom Westen aus werden die Probleme der `Dritten Welt´ definiert,
sowohl auf praktischer als moralischer Ebene, und die Lösung ist
stets eine, die den Westen davon entlastet, auf irgendeine Weise in
die Ursache des Problems verwickelt zu sein.“ („... it is
from the West that the problems of the `Third World´ are defined,
both at practical and moral level. ... and the solution is invariably
one which exculpate the West from any kind of involvement in causing
the problem“)
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